Universitätsbibliothek der LMU
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Die Globussegmentkarte Martin Waldseemüllers in der Universitätsbibliothek der LMU München

Stellungnahme zur Authentizität der Karte

19.02.2018

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Globussegmentkarte der Bayerischen Staatsbibliothek München, die sich als Fälschung entpuppt hat (https://www.bsb-muenchen.de/article/bayerische-staatsbibliothek-bestaetigt-eigene-waldseemueller-globensegmente-als-faelschung-2274/), und den Anfragen nach der Authentizität der Globussegmentkarte in der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München geben wir Ihnen folgende Informationen:

Im Mai 2012 stießen zwei Bibliothekarinnen der Universitätsbibliothek der LMU München im Zuge von Korrekturarbeiten am Katalog in einem Sammelband mit zwei Drucken zur Geometrie aus dem ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts auf eine Globussegmentkarte Martin Waldseemüllers. Die Universitätsbibliothek der LMU München verfügt über ein Exemplar (Cim. 107#2), das jedoch im Vergleich mit den anderen bekannten Exemplaren mehrere Varianten aufweist und somit als unikal gelten darf. Ein Digitalisat ist unter https://epub.ub.uni-muenchen.de/13138/ einsehbar.

Die Authentizität der Karte lässt sich anhand der Besonderheiten des LMU-Exemplars zeigen:

a) Das Exemplar der Universitätsbibliothek der LMU München weist mehrere, markante Unterschiede zu den bislang bekannten Exemplaren auf; das manifestiert sich in der Größe Madagaskars, der Lage Calicuts, den Schraffuren, den Rändern der Lamellen, einigen Leitbuchstaben (vor allem i) und der Größenangabe („Diameter Globi“) mit den Drucktypen aus Saint-Dié.

b) Das Wasserzeichen (Piccard, Bd. 4, 2, S. 190; Abteilung VII, Nr. 103 = || 26-27 Elsass 1518) verweist in den elsässischen Raum gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts.

c) Die Globussegmentkarte der UB München, die sich in einem typischen Bibliothekseinband aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befindet, könnte zeitnah mit einer Ausgabe der Perspectiva communis von Johannes Peckham verbunden worden sein, die in das Jahr 1510 zu datieren sein dürfte (https://epub.ub.uni-muenchen.de/14514/). Die Perspectiva communis gilt als eine der möglichen Quellen Waldseemüllers, mit ihr soll er sich in einem Beitrag zur Architektur und Perspektive in Gregor Reischs Margarita Philosophica Nova beschäftigt haben, die 1508 gedruckt wurde.

Nach den Erkenntnissen der Kartenabteilung der Library of Congress stammen Teile der großen Waldseemüller-Karte nicht aus dem Editionsprojekt von 1507, in dem die anderen Globussegmentkarten entstanden sind. Ein Blatt im unteren rechten Bereich enthält definitiv Teile, deren Drucktypen sich der Offizin von Johannes Schott um 1515/16 zuordnen lassen. Ferner konnte die Library of Congress Drucktypen aus den Offizinen von Johannes Grüninger und René Beck identifizieren; und so lautet die Vermutung: Die Globussegmentkarte der Universitätsbibliothek München könnte bei Schott in Straßburg unter Verwendung der Drucktypen aus Saint-Dié, zu denen Schott Zugang gehabt haben muss, um 1515/16 als veränderter Nachdruck entstanden sein.

Über die Herkunft der Globussegmentkarte der Universitätsbibliothek München gibt es momentan keine gesicherten Erkenntnisse. Die beiden Frühdrucke wurden im 19. Jahrhundert in einem Band vereint. Die Bedeutung der Waldseemüller'schen Karte erkannten die Münchner Bibliothekare damals nicht, und der Band versank im Dornröschenschlaf des Magazins und überstand unbeschadet die Auslagerung während des Zweiten Weltkriegs. Erst die Katalogkorrekturarbeiten im Frühjahr 2012 ermöglichten den Sensationsfund, der eine geradezu fulminante Medienresonanz auslöste, wie sie die deutsche Bibliothekslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt hat.


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