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Zerstörung und Wiederaufbau 1945-1972

Mit etwa 400.000 Bänden fiel ein Drittel der Bestände der Universitätsbibliothek den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Die schweren Luftangriffe der letzten Kriegsjahre zerstörten der Reihe nach das Südmagazin, die Lesesäle und Arbeitsräume sowie den Bibliothekskeller im Nordflügel des Universitätshauptgebäudes. Durch eine frühzeitig eingeleitete Auslagerungsaktion konnten besonders wertvolle Bücher, Handschriften und Dissertationen an verschiedenen Orten in Ober- und Niederbayern in Sicherheit gebracht werden. Die Handbibliotheken für die Studierenden, der Alphabetische Publikumskatalog und die meisten historischen Kataloge, darunter der Katalog der Universitätsbibliothek von 1598 und der alte Realkatalog, verbrannten aber.

 

Schon 1945 wurde der Bibliotheksbetrieb unter großen Anstrengungen noch bis 1966 an verschiedenen behelfsmäßig eingerichteten Stellen, die sich über das ganze Münchner Stadtgebiet und auch das Umland verteilten, wieder aufgenommen. Den Benutzern stand nach kurzer Zeit sowohl ein neuer Alphabetischer Publikumskatalog für die seit 1944 erschienenen Werke als auch ein für Buchbestände ab 1909 fortgeführter Schlagwortkatalog zur Verfügung.

Nach der Wiedereröffnung der Universität am 23. Juli 1946 begann ein provisorischer Ausleih- und Lesesaalbetrieb. Die Rückführung der Bestände in zeitweilig der Bibliothek als Magazin überlassene Räume des Universitätshauptgebäudes zog sich bis 1959 hin. Nach und nach entstanden Handbibliotheken und ein neuer systematischer Katalog. Die Anfang der fünfziger Jahre diskutierten Pläne über eine Zusammenlegung der Universitätsbibliothek mit der Staatsbibliothek scheiterten am Widerstand der Universität.

Die räumliche Situation verbesserte sich 1967 mit dem Einzug in einen dreigeschossigen Neubau an der Ludwigstraße. Er verbindet im Süden das Universitätshauptgebäude mit dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG. Von der sogenannten Alten Saline ist die denkmalgeschützte Straßenfront aus rotem Backstein erhalten. Heute noch erinnern Einschusslöcher im Mauerwerk an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.

Hinter der historischen Fassade bergen Mauern aus Stahlbeton eine selbsttragende Regalanlage für zehn Magazingeschosse mit einem Fassungsvermögen von ca. 955.000 Bänden. Erst um 1970 erreichte die Universitätsbibliothek wieder den Besitzstand des Jahres 1942 von über einer Million Bände. Aus Gründen der Platzersparnis werden Werke ab dem Erwerbungsjahr 1950 nicht mehr wie bisher unter den alten Fachgruppen, sondern nach dem Numerus currens-Prinzip aufgestellt.

Neben die Medizinische Lesehalle kam 1971 mit der Bibliothek des Klinikums Großhadern eine weitere Außenstelle der Universitätsbibliothek hinzu.  [weiter]