Bibliothek der Artistenfakultät 1473-1572
1472 gründete Herzog Ludwig IX. der Reiche die erste bayerische Landesuniversität, die Hohe Schule in Ingolstadt. Sie gehört nach Heidelberg, Freiburg und Greifswald zu den ältesten noch existierenden Universitäten in Deutschland.
Kaum ein Jahr nach Gründung der Universität findet sich der erste Nachweis für eine Bibliothek, und zwar in der sogenannten Artistenfakultät: Am 20. Februar 1473 faßte diese für die sieben freien Künste ("septem artes liberales"), also für eine Art von Grundstudium zuständige Fakultät den Beschluß zum Ankauf von Büchern, um eine gleichmäßige Versorgung der Magister mit den sogenannten Vorlesebüchern zu gewährleisten. Sieben Jahre später war der Buchbestand so angewachsen, daß seine Unterbringung Probleme bereitete. Am 9. Juli 1480 entschied sich die Fakultät für die Einrichtung eines eigenen Bibliotheksraums im Lectorium Avicennae des Universitätsgebäudes. Über seine Gestaltung gibt der früheste erhaltene Katalog, datiert auf 1492, Aufschluss, indem er die vorhandenen 231 Bände (55 Handschriften und 176 Inkunabeln) in ihrer systematischen Anordnung auf sieben Pulten und in einem Schrank verzeichnet. Als Besitzkennzeichnungen verwendete man eingeklebte Wappen-Exlibris.
Unter dem Dekanat des Magisters Andreas Sparber erhielt die Bibliothek 1495 einen größeren zweiten Raum im unteren Geschoss, der nova libraria oder bibliotheca inferior genannt wurde und über 18 Pulte verfügte. Ein weiterer Katalog von 1508 beschreibt die 374 vorhandenen sowie 84 später nachgetragene Bände. Diese waren systematisch auf 23 Pulten aufgestellt.

Die drei höheren Fakultäten (Theologie, Medizin und Rechtswissenschaft) besaßen allem Anschein nach zu dieser Zeit keine eigenen Bibliotheken. Sowohl eine Beschwerdeschrift aus dem Jahre 1497 wie auch die inhaltliche Zusammensetzung des Buchbestands der Artistenbibliothek deuten darauf hin, daß diese gleichsam als Universalbibliothek genutzt wurde.
1549 berief Herzog Wilhelm IV. die Jesuiten an die Universität. Sie erhielten die Erlaubnis, Bestände aller wichtigen Ingolstädter Bibliotheken zum Aufbau einer eigenen zu verwenden. Dies führte zu einer Ausdünnung des Buchbestands der Artistenfakultät und zu einer Stagnation der Bibliothek, die den Vizekanzlern der Universität unterstand. [weiter]
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