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Aufbau einer modernen Universitätsbibliothek 1892-1945

Seit 1892 stand die Universitätsbibliothek mit Hans Schnorr von Carolsfeld unter hauptamtlicher fachbibliothekarischer Leitung. Zur Versorgung der Studierenden mit häufig benötigter wissenschaftlicher Fachliteratur wurde eine Handbibliothek mit Sofortausleihe im sogenannten Ausleihzimmer eingerichtet und für die neueren Bestände ein öffentlich zugänglicher Schlagwortkatalog eingeführt. Rund 250 Arbeitsplätze entstanden durch den 1898/99 fertiggestellten Erweiterungsbau im zweiten Obergeschoß des Nordtrakts an der Adalbertstraße mit einem Allgemeinen und einem Juristischen Lesesaal sowie einem eigenem Professorenzimmer.

 

In den Jahren 1908 bis 1913 erfolgte die Errichtung eines zweiten Erweiterungsbaus und ein weiterer großer Arbeitssaal konnte geschaffen werden. Im neuen, zweigeschossigen sogenannten Nordmagazin fanden etwa 150.000 Bände Platz. Die Baumaßnahmen waren dringend notwendig, galt doch die Universitätsbibliothek der LMU München mit etwa 831.000 Bänden bereits 1925 als die größte Universitätsbibliothek Deutschlands. In den Lesesälen standen zu dieser Zeit allein Nachschlagewerke in 45.000 Bänden zur Verfügung, rund 1.200 Zeitschriften und 160 Zeitungen lagen in eigens dafür vorgesehenen Leseräumen auf. Für die immer größer werdende Zahl der Studierenden, die im allgemeinen keinen Zugang zum Hauptkatalog hatten, wurde ein Publikumskatalog mit Kreuzanordnung aufgestellt, in dem die neuesten Bestände ab Erscheinungsjahr 1909 recherchiert werden konnten.

 

Mit der ständig zunehmenden Buchproduktion und den zahlreichen Neuzugängen aus der zuletzt durch ein Gesetz von 1927 geregelten Pflichtablieferung der Verlage wurde der Magazinraum der Bibliothek im Universitätshauptgebäude bis auf die letzten Kapazitäten ausgelastet. Eine Teillösung brachte 1930 die Eröffnung der Medizinischen Lesehalle am Beethovenplatz, mitten im Klinikviertel Münchens, in der seither medizinische Dissertationen und medizinische Fachliteratur der Universitätsbibliothek und des Ärztlichen Vereins e. V. München gemeinsam untergebracht und verwaltet werden.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die Werke jüdischer, kommunistischer und sonstiger unerwünschter bzw. verbotener Autoren im Magazin durch das Aufkleben des Buchstabens R (Abkürzung für "Remota") und das Einkleben eines roten Steckblattes gelegentlich gekennzeichnet. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter an der UB, Hugo Falkenheim, ein Privatgelehrter und Verfasser zahlreicher philosophischer Werke, fiel als getaufter Jude unter das NS-Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und wurde 1933 entlassen. Mit der Ernennung Joachim Kirchners zum Bibliotheksdirektor stand seit 1941 ein überzeugter Nationalsozialist der UB vor, der im Braunhemd auf dem Darmstädter Bibliothekartag 1933 die Bücherverbrennung vom 10. Mai als "notwendige Vernichtungsarbeit" sowie einen heroischen Akt gegen die Auswüchse der "Asphaltliteratur" gefeiert hatte. Die amerikanische Militärregierung enthob ihn am 12. Juli 1945 seines Amtes. [weiter]